Arbeitsgebiete

Das In­sti­tut für Staats­po­li­tik hat­te be­reits im zwei­ten Jahr sei­nes Be­stehens sein Kern­the­ma, die staats­po­li­ti­sche Ord­nung, in fünf Be­rei­che un­ter­teilt. Die­se fünf The­men wur­den seit­her in Stu­di­en und Ver­an­stal­tun­gen be­ar­bei­tet. Es stell­te sich bald ein Un­gleich­ge­wicht ein: So er­schie­nen zu den Be­rei­chen »Po­li­ti­sche Kul­tur« so­wie »Zu­wan­de­rung und In­te­gra­ti­on« et­li­che Ar­bei­ten, die auch von da­für ein­ge­rich­te­ten Ar­beits­grup­pen be­treut wur­den. »Bil­dung« so­wie »Kriegs- und Kon­flikt­for­schung« wur­den im Ver­gleich dazu we­nig be­leuch­tet. Das zehn­jäh­ri­ge Be­stehen des IfS gab nun den An­laß, die­se Ar­beits­fel­der neu zu definieren.

Staat und Gesellschaft

Der Staat wird auch im 21. Jahr­hun­dert der Ga­rant für Recht und Ord­nung blei­ben müs­sen. Von be­son­de­rem In­ter­es­se ist das Ver­hält­nis des Staa­tes zur Ge­sell­schaft, die den um­fas­sen­den An­spruch des Staa­tes, di­rekt und in­di­rekt, in Fra­ge stellt. De­mo­gra­phie, Wirt­schaft, Kri­mi­na­li­tät und Par­al­lel­ge­sell­schaft sind ei­ni­ge der The­men, die in die­sem Rah­men be­han­delt werden.

Die Ver­än­de­run­gen, die vor zehn Jah­ren zur Grün­dung des IfS führ­ten, ha­ben sich ver­ste­tigt. Der Staat ge­rät zu­neh­mend in die Ab­hän­gig­keit ei­ner Ge­sell­schaft, die sich mit dem all­ge­mei­nen An­spruch des Staa­tes nicht iden­ti­fi­ziert. Ihre In­ter­es­sen­grup­pen ma­chen den Staat zu ih­rer Beu­te, in­dem sie ihn für ihre je­wei­li­gen Son­der­in­ter­es­sen in­stru­men­ta­li­sie­ren. Das hat Carl Schmitt be­reits in sei­ner Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Plu­ra­lis­mus er­kannt. Die­se In­an­spruch­nah­me des Staa­tes dient ver­schie­de­nen Zie­len. Das be­ginnt bei je­der Art des Lob­by­is­mus, der auf Ko­sten der Ge­samt­heit eine be­vor­zug­te Be­hand­lung sei­ner Kli­en­tel for­dert, geht wei­ter mit der Be­ein­flus­sung des Rechts­staa­tes durch die Po­li­tik, die sich auf die­sem Wege un­lieb­sa­mer Kri­ti­ker und Geg­ner ent­le­digt und en­det schließ­lich bei ei­ner welt­an­schau­lich ge­schlos­se­nen Ein­heit von Staat und Ge­sell­schaft, die die frei­heit­li­che Grund­ord­nung ad ab­sur­dum führt..

Politik und Identität

Ohne eine na­tio­na­le Iden­ti­tät wird es für Deutsch­land kei­ne Zu­kunft ge­ben. An so un­ter­schied­li­chen Fel­dern wie der Ge­schichts­po­li­tik oder der Au­ßen­po­li­tik läßt sich das fest­stel­len. Ur­sprüng­lich lau­te­te die­ses The­ma »Die po­li­ti­sche Lin­ke«, weil von Tei­len die­ses La­gers gro­ße Ge­fah­ren für den Wei­ter­be­stand des deut­schen Staa­tes aus­ge­hen. Mitt­ler­wei­le hat sich das Pro­blem aber ver­scho­ben. Die So­zi­al­de­mo­kra­ti­sie­rung der so­ge­nann­ten Mit­te ist eine Tat­sa­che, die sich nicht zu­letzt dar­an fest­ma­chen läßt, daß be­stimm­te Po­si­tio­nen, die vor zehn Jah­ren von der Lin­ken ver­tre­ten wur­den, mitt­ler­wei­le auch bei CDU, CSU und FDP All­ge­mein­gut sind. Das be­trifft ins­be­son­de­re die Hal­tung zur mul­ti­kul­tu­rel­len Ge­sell­schaft und den ge­schichts­po­li­ti­schen Miß­brauch der deut­schen Ver­gan­gen­heit. Die üb­lich ge­wor­de­nen Irr­tü­mer, Lü­gen und gut­ge­mein­ten Halb­hei­ten gilt es zu be­nen­nen, egal wer sie aus­spricht. Un­se­re Auf­klä­rungs­ar­beit ori­en­tiert sich da­bei an ei­nem Maß­stab: dem Er­halt des deut­schen Staates.

Zuwanderung und Integration

Die un­ge­lö­ste Fra­ge der In­te­gra­ti­on ist in je­der Hin­sicht Aus­druck der Ver­feh­lun­gen, die aus der Ver­quickung von Staat und Ge­sell­schaft so­wie der Auf­ga­be na­tio­na­ler Iden­ti­tät als Po­li­tik­ziel re­sul­tie­ren. Das The­ma hat den Vor­zug, kon­kret be­schreib­bar zu sein. Da Kor­rek­tu­ren noch mög­lich sind, ist die Er­ar­bei­tung von Zu­stands­be­schrei­bun­gen und Al­ter­na­ti­ven zwingend.

Die­ses The­ma wird zwangs­läu­fig auch wei­ter­hin im Mit­tel­punkt un­se­rer Ar­beit ste­hen. Auf­klä­rung auf die­sem Ge­biet ist eine exi­sten­ti­el­le Not­wen­dig­keit: Vie­le Mi­gran­ten kom­men aus ganz an­de­ren Kul­tur­krei­sen, ha­ben voll­kom­men an­de­re ethi­sche Maß­stä­be, was die man­geln­de Wert­schät­zung des Staa­tes ein­schließt, be­dro­hen den Rechts­frie­den und ver­ach­ten die deut­sche Mehr­heits­ge­sell­schaft. Die De­bat­ten um die Äu­ße­run­gen Thi­lo Sar­ra­zins und der Rich­te­rin Kir­sten Hei­sig zei­gen, daß die Lage, in der sich Deutsch­land be­fin­det, nicht mit der Ein­schät­zung der Ver­ant­wort­li­chen über­ein­stimmt. Ziel muß es da­her sein, die Fak­ten zu be­nen­nen und so das Volk zu er­mu­ti­gen, sei­ne In­ter­es­sen im Sin­ne des Gan­zen selbst­be­wußt durchzusetzen.

Erziehung und Bildung

Auf dem Feld der Er­zie­hung und Bil­dung be­steht die größ­te Mög­lich­keit, ge­stal­te­risch ein­zu­grei­fen. Des­halb ist es eine be­lieb­te Spiel­wie­se für ge­sell­schaft­li­che Uto­pien ge­wor­den. Das an­ge­rich­te­te Un­heil tritt ge­gen­wär­tig zu­ta­ge. Ge­ra­de hier lie­gen die Schlüs­sel für die Zu­kunft. Das In­sti­tut ist nicht zu­letzt selbst auf die­sem Feld tä­tig und um eine kon­kre­te Al­ter­na­ti­ve bemüht.

Die (po­li­ti­sche) Bil­dungs­ar­beit ist, ne­ben der wis­sen­schaft­li­chen Ar­beit, das zen­tra­le An­lie­gen des IfS. Die Aka­de­mien und das Col­le­gi­um Dex­trum müs­sen er­set­zen, was Schu­le und Uni­ver­si­tät ver­säumt ha­ben. Das IfS kann da­bei nur ei­nen klei­nen Teil der jun­gen Ge­nera­ti­on er­rei­chen und setzt da­her auf die in­halt­li­che Kon­zen­tra­ti­on und die stren­ge Aus­wahl der Teil­neh­mer. Die The­men »Er­zie­hung und Bil­dung« sind im be­sten Sin­ne zu­kunfts­ori­en­tiert und müs­sen mit Le­ben ge­füllt wer­den. Un­ter­su­chun­gen zur ak­tu­el­len Lage des Bil­dungs­we­sens in Deutsch­land gibt es ge­nü­gend. Die Fak­ten sind be­kannt und na­he­zu je­der, zu­min­dest wenn er Kin­der hat, kennt die Kon­se­quen­zen, die aus jahr­zehn­te­lan­ger Miß­wirt­schaft resultieren.

Krieg und Krise

Der Krieg ist eine an­thro­po­lo­gi­sche Kon­stan­te, die sich im 21. Jahr­hun­dert mit ei­ge­nem Ge­sicht zeigt, das ver­stan­den wer­den muß. Die Kri­se wird uns in Zu­kunft dau­er­haft be­glei­ten. Sie hat kei­ne Re­geln und kein Ge­setz und ihre Sym­pto­me müs­sen im­mer wie­der neu be­nannt wer­den. Tech­nik­fol­gen, Über­be­völ­ke­rung und Ter­ro­ris­mus sind hier kon­kre­te Herausforderungen.

Bis­her lau­te­te die­ses The­men­ge­biet »Kriegs- und Kon­flikt­for­schung« und war da­mit re­la­tiv eng ge­faßt, was zur Fol­ge hat­te, daß die­ses Ge­biet bis­lang sel­ten be­han­delt wur­de. Die er­ste Aus­ga­be der Se­zes­si­on war dem Phä­no­men Krieg ge­wid­met, ohne klas­si­sche »Kriegs- und Kon­flikt­for­schung« zu be­trei­ben. Im Rah­men der Ar­beit des IfS muß das The­ma »Krieg« in Be­zug zur Staats­po­li­tik ge­setzt wer­den. Für Deutsch­land lau­ten die Fra­gen bei­spiels­wei­se: Wel­che Kon­se­quen­zen hat der staat­lich ver­ord­ne­te Pa­zi­fis­mus? Wie wir­ken sich die Aus­lands­ein­sät­ze der Bun­des­wehr auf die psy­chi­sche Ver­fas­sung der Deut­schen aus? Der gro­ße Rah­men, der ver­än­der­te Cha­rak­ter mi­li­tä­ri­scher Kon­flik­te und die Gren­zen der US-ame­­ri­­ka­­ni­­schen He­ge­mo­nie, steht, wie auch die Au­ßen­po­li­tik über­haupt, nicht im Mit­tel­punkt der Ar­beit des IfS. Da­ge­gen wer­den die Kri­se, ihre un­ter­schied­li­chen Fa­cet­ten und ihre po­li­ti­schen Aus­wir­kun­gen auf Deutsch­land mehr Platz einnehmen.

Ökonomie und Ökologie

Das Ar­beits­ge­biet Öko­no­mie und Öko­lo­gie ist das jüng­ste des In­sti­tuts für Staats­po­li­tik und trägt da­mit der stei­gen­den Be­deu­tung bei­der The­men­fel­der Rech­nung. Öko­lo­gie als eine Form des Hei­mat­schut­zes und der Schöp­fungs­be­wah­rung war stets ein kon­ser­va­ti­ves An­lie­gen, so daß dies nicht über­ra­schen kann. Über­ra­schend ist viel­mehr, daß die The­ma­tik heu­te viel­fach un­kri­tisch dem lin­ken Spek­trum zu­ge­rech­net und von die­sem ge­ra­de­zu mo­no­po­li­siert wird.

Ins­be­son­de­re die Öko­no­mie hat als maß­geb­li­che De­ter­mi­nan­te vie­ler in­di­vi­du­el­ler und ge­sell­schaft­li­cher Ent­schei­dun­gen wei­ter an Be­deu­tung ge­won­nen. Und zwar in dem glei­chen Maße wie über­in­di­vi­du­el­le Wer­te auf dem Rück­zug sind. Aus Sicht des In­sti­tuts sind öko­no­mi­sche Mo­ti­ve häu­fig die ein­zig plau­si­ble Er­klä­rung für ob­jek­ti­ve Fehl­ent­schei­dun­gen oder feh­len­den Wi­der­stand ge­gen Fehl­ent­wick­lun­gen, wie die zu­neh­men­de Selbstent­mün­di­gung des deut­schen Bürgertums.

Die volks­wirt­schaft­li­che Auf­klä­rungs­ar­beit des In­sti­tuts soll da­her ei­nen Bei­trag zur Re­po­li­ti­sie­rung des Bür­gers lei­sten und dem Nar­ra­tiv ei­nes nai­ven „uns geht es doch gut“ Fak­ten entgegensetzen.