Der Kon­kur­renz­schutz na­mens »Ver­fas­sungs­schutz« (VS) be­ob­ach­tet nun das In­sti­tut für Staats­po­li­tik (IfS) als »Ver­dachts­fall«.

Dies ist eine lo­gi­sche Ab­fol­ge jüng­ster Ent­wick­lun­gen, die man scha­blo­nen­ar­tig in zwei Strän­ge ein­ord­nen kann.

Er­stens ist die fort­wäh­ren­de Ver­schär­fung der Nut­zung des In­stru­men­ta­ri­ums VS durch die Gro­ße Ko­ali­ti­on und ihre even­tu­el­len Er­gän­zungs­spie­ler zu nen­nen. Das Bun­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz (BfV) und die 16 Lan­des­äm­ter für Ver­fas­sungs­schutz (LfV) die­nen seit je­her, ver­stärkt aber seit dem Auf­kom­men wirk­mäch­ti­ger Op­po­si­ti­ons­strö­mun­gen in Deutsch­land, als Schild und Schwert des Estab­lish­ments ge­gen des­sen po­li­ti­schen Geg­ner.

Da­mit ist aber die ur­ei­ge­ne Auf­ga­be des Ge­heim­dien­stes ins Ge­gen­teil ver­kehrt, wie der Lei­ter des IfS, Erik Leh­nert, zu­sam­men­faß­te:

Die Be­hör­de ver­wen­det ihre ge­sam­te Kraft dar­auf, Grup­pie­run­gen zu be­ob­ach­ten und zu stig­ma­ti­sie­ren, die nicht in der Lage sind, die Ver­fas­sung ab­zu­schaf­fen. Wo­mit sie sich nicht be­schäf­tigt, sind die­je­ni­gen, die es auf­grund ih­rer Macht­po­si­ti­on tun kön­nen und der­zeit auch tun.

Das Bun­des­amt und die Lan­des­äm­ter sind als dem je­wei­li­gen In­nen­mi­ni­ste­ri­um un­ter­stell­te Ein­rich­tun­gen ex­pli­zit Ent­schei­dungs­trä­gern der »Alt­par­tei­en« ver­ant­wort­lich. Die­se sind – ob rot, grün oder schwarz ge­färbt – im Re­gel­fall Geg­ner der Al­ter­na­ti­ve für Deutsch­land (AfD) und ih­res vor­po­li­ti­schen Um­fel­des.

Weil die AfD und ihr na­he­ste­hen­de pa­trio­ti­sche Struk­tu­ren die »al­ter­na­tiv­los« de­kla­rier­te Herr­schaft der Alt­par­tei­en kri­ti­sie­ren, die Bür­ger aber trotz mas­sen­me­dia­ler Hatz im­mer noch in re­le­van­ten Tei­len AfD-Sym­pa­thien kund­tun, war die VS-Be­ob­ach­tung von Tei­len der Par­tei und ih­res Vor­fel­des eine lo­gi­sche Kon­se­quenz – je­den­falls aus Sicht der Re­gie­ren­den und ih­ren Ver­bün­de­ten in Zi­vil­ge­sell­schaft und Me­di­en.

Es geht also nicht um In­hal­te, nicht um die Be­kämp­fung ag­gres­si­ver Ak­ti­vi­tä­ten ge­gen Grund­ge­setz und Grund­rech­te – es geht um rei­ne Macht­fra­gen. Op­po­si­ti­on, und zwar jede grund­sätz­lich aus­ge­rich­te­te, soll be­hin­dert und aus­ge­schal­tet, ab­wei­chen­de Mei­nun­gen sank­tio­niert wer­den. Der VS ist kein neu­tra­les In­stru­ment, son­dern Macht­mit­tel, kei­ne ab­wä­gen­de Be­hör­de, son­dern po­li­ti­scher Ak­teur.

Zwei­tens muß in die­sem Zuge an die er­folg­reich­ste me­ta­po­li­ti­sche Set­zung der jüng­sten Zeit er­in­nert wer­den: die lin­ke Um­deu­tung des Cha­rak­ters des bun­des­deut­schen Grund­ge­set­zes (GG). Der frü­he an­ti­to­ta­li­tä­re Grund­kon­sens, der in der eta­blier­ten Po­li­tik­wis­sen­schaft der letz­ten Jahr­zehn­te ex­tre­mis­mus­theo­re­tisch nor­miert wur­de, ist auf­ge­löst.

Ver­kürzt dar­ge­stellt um­faß­te die­ser, daß die Ver­fas­sung durch eine »wehr­haf­te De­mo­kra­tie« ge­gen all jene zu ver­tei­di­gen sei, die be­ab­sich­ti­gen, die Grund­rech­te und eher­nen Re­geln des Grundg­set­zes tat­kräf­tig zu un­ter­mi­nie­ren. Dies be­deu­te­te: Ra­di­ka­le Mei­nungs­äu­ße­run­gen von links bis rechts blie­ben in­ner­halb des Ver­fas­sungs­bo­gens ver­or­tet, ex­tre­mi­sti­sche Auf­fas­sun­gen und ge­walt­af­fi­ne Ideo­lo­ge­me, die in die Pra­xis hin­ein­wir­ken, nicht.

Die­se Vor­stel­lung, pro­mi­nent ver­tre­ten durch Po­li­tik­wis­sen­schaft­ler um den Chem­nit­zer For­scher Eck­hard Jes­se und sei­nen Dresd­ner Kol­le­gen Uwe Backes, wur­de ge­kippt; das lag an Un­zu­läng­lich­kei­ten der ei­ge­nen Ex­tre­mis­mus­theo­rie eben­so wie an nach­hal­ti­gen De­kon­struk­ti­ons­ar­bei­ten lin­ker Pres­su­re groups bei fort­wäh­ren­der Wühl­ar­beit durch po­lit­me­dia­le Ak­teu­re.

Be­sag­ten In­ter­es­sen­grup­pen von An­ti­fa-Netz­wer­ken über die Links­par­tei und die ihr na­he­ste­hen­de Rosa-Lu­xem­burg-Stif­tung bis ins so­zi­al­de­mo­kra­ti­sche und li­be­ra­le Feld hin­ein ge­lang es, die  Ex­tre­mis­mus­theo­rie aus­zu­höh­len und neue In­hal­te zu pla­zie­ren. An­ti­fa­schis­mus, nicht An­ti­to­ta­li­ta­ris­mus, Kampf ge­gen Rechts, nicht Äqui­di­stanz ge­gen­über den Ex­tre­men – so wird die »wehr­haf­te De­mo­kra­tie« als Ge­sin­nungs­kom­plex neu ju­stiert, in der selbst für mo­de­rat pa­trio­ti­sche Ab­wei­chun­gen ge­sell­schaft­li­che Äch­tung die Fol­ge ist.

Um zu zei­gen, daß es den »zi­vil­ge­sell­schaft­li­chen« Kräf­ten ge­nau dar­um geht, muß nicht in An­ti­fa-Po­stil­len und Ge­werk­schafts­ver­laut­ba­run­gen ge­blickt wer­den. Hier rei­chen be­reits main­strea­mi­ge­re Ak­teu­re aus. Tho­mas Du­dek, Ci­ce­ro-Au­tor für pol­ni­sche und ost­mit­tel­eu­ro­päi­sche An­ge­le­gen­hei­ten, ließ nach Be­kannt­ga­be der VS-Be­ob­ach­tung des IfS tief blicken:

War­um ei­gent­lich erst jetzt? Das IfS ver­brei­tet schon seit 20 Jah­ren rech­tes Ge­dan­ken­gut.

Dar­um geht es dem Ein­heits­block: Jed­we­des »rech­tes Ge­dan­ken­gut« soll fort­an sank­tio­niert wer­den. Die­se Pro­jek­ti­on ist im­ma­nent ver­fas­sungs­wid­rig, weil rech­te Stand­punk­te na­tur­ge­mäß von der GG-ver­brief­ten Mei­nungs­frei­heit ge­deckt sind. Doch die an­ti­fa­schi­sti­sche Selbst­ent­lar­vung führt eben nicht, wie von an­ti­to­ta­li­tä­ren Kräf­ten in der Rech­ten ge­raunt, zu neu­em Wi­der­stands­po­ten­ti­al brei­ter Schich­ten – im Re­gel­fall in­ter­es­siert das nur die oh­ne­hin be­reits Über­zeug­ten. 

Dies fest­zu­stel­len, be­deu­tet nicht, vor dem zwei­fel­los exi­stie­ren­den Kar­tell aus eta­blier­ten Me­di­en, »Zi­vil­ge­sell­schaft« und Alt­par­tei­en ein­zu­knicken. Es gilt, so nüch­tern wie nach­drück­lich die ei­ge­nen Sym­pa­thi­san­ten­krei­se und Um­feld dar­auf hin­zu­wei­sen, daß es die­sem Kar­tell bei­lei­be nicht um »Ex­tre­mis­mus« geht: Sein Vor­ha­ben ist die De­nun­zia­ti­on al­ler rech­ter Stand­punk­te, ob­wohl die­se, mög­li­cher­wei­se so­gar »ra­di­kal« for­mu­liert, vom Grund­ge­setz ge­schützt sind.

Der Ab­lauf war da­bei so ba­nal wie er­folg­reich: An­ti­fa-Grup­pen, bei de­nen Ver­fas­sungs­feind­lich­keit und Ge­walt­nei­gung ob­li­ga­to­risch sind, üben Druck aus, Jour­na­li­sten, die zum Teil selbst in ent­spre­chen­den Struk­tu­ren so­zia­li­siert wur­den, grei­fen de­ren Re­cher­chen in staats­na­hen wie pri­va­ten Me­di­en auf und er­zeu­gen so eine Si­mu­la­ti­on, wo­nach de­ren »Ana­ly­sen« (vul­go: Dif­fa­mie­run­gen) ge­sell­schaft­lich re­le­vant wä­ren.

Dar­auf­hin re­agiert die »gro­ße Po­li­tik«, die ih­rer­seits auf den VS ein­wirkt – ein Bei­spiel hier­für ist der SPD-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Hel­ge Lindh, der un­ver­hoh­len preis­gab, daß dies­be­züg­lich mit dem BfV-Chef Tho­mas Hal­den­wang (CDU) in­ter­agier­te. Ist das schon der An­lauf zur Auf­he­bung der – grund­ge­setz­lich ga­ran­tier­ten – Ge­wal­ten­tei­lung? Es ist in je­dem Fall ein wei­te­rer Of­fen­ba­rungs­eid ei­nes Staa­tes, der zur Beu­te von Uni­on und SPD wur­de.

Die die­sen Kräf­ten un­ter­ste­hen­de Be­hör­de ver­wen­det ja seit Jahr­zehn­ten ihre Kraft dar­auf, Grup­pie­run­gen zu be­ob­ach­ten und zu stig­ma­ti­sie­ren, die nicht in der Lage sind, die Ver­fas­sung ab­zu­schaf­fen. Wo­mit sie sich nicht be­schäf­tigt, sind just die­je­ni­gen, die es auf­grund ih­ren un­an­ge­foch­te­nen Po­si­tio­nen in Äm­tern und Wür­den tun kön­nen und im­mer dann, wenn es ih­rem Kom­plex hilf­reich er­scheint, tat­säch­lich auch tun.

Das IfS hat der­ar­ti­ge Pro­ble­me seit län­ge­rem als For­schungs­be­reich auf sei­nem Schirm. Der Ju­rist Jo­sef Schüßlbur­ner und der Po­li­tik­wis­sen­schaft­ler Hans-Hel­muth Knüt­ter hat­ten da­her vor mehr als 12 Jah­ren im Auf­trag des IfS ei­nen – längst ver­grif­fe­nen, aber ak­tu­ell blei­ben­den – Al­ter­na­ti­ven Ver­fas­sungs­schutz­be­richt (580 S.) er­stellt, der in der Fra­ge mün­de­te, ob der Ver­fas­sungs­schutz nicht selbst ver­fas­sungs­wid­rig sei oder we­nig­stens sei­ner ei­gent­li­chen Pflicht nicht nach­kom­me. Die Ant­wort lau­te­te: ja.

Voll­stän­dig aus­ge­blen­det wer­den in den VS-Be­rich­ten, die nor­ma­le De­mo­kra­tien nicht ken­nen, ver­fas­sungs­feind­li­che Po­si­tio­nen und ent­spre­chen­des Ver­hal­ten der eta­blier­ten po­li­ti­schen Kräf­te. Die­se ein­sei­ti­ge Dar­stel­lungs­wei­se der amt­li­chen VS-Be­rich­te wird durch den bei amt­li­cher Ver­wen­dung rechts­staats­wid­ri­gen Be­griff des “Ex­tre­mis­mus” her­bei­ge­führt, der ver­mit­tels sei­nes pri­mär ge­gen po­li­ti­sche Ideo­lo­gien ge­rich­te­ten Cha­rak­ters un­ter­stellt, daß eta­blier­te po­li­ti­sche Kräf­te auf­grund ih­rer welt­an­schau­li­chen Po­si­ti­on, die still­schwei­gend von Staats we­gen als gut und po­si­tiv ein­ge­stuft wird, von vorn­her­ein nicht ver­fas­sungs­feind­lich sein kön­nen.

Im Al­ter­na­ti­ven VS-Be­richt zei­gen die Au­toren, daß es aus den eta­blier­ten po­li­ti­schen Kräf­ten (!) un­ter an­de­rem Be­stre­bun­gen ge­gen

  1. die frei­heit­li­che de­mo­kra­ti­sche Grund­ord­nung als rechts­staat­li­che Herr­schafts­ord­nung,
  2. das Selbst­be­stim­mungs­recht des Vol­kes und die Volks­sou­ve­rä­ni­tät,
  3. die Ver­ant­wort­lich­keit der Re­gie­rung,
  4. die Ge­setz­mä­ßig­keit der Ver­wal­tung,
  5. die Un­ab­hän­gig­keit der Ge­rich­te und
  6. die Ge­wal­ten­tei­lung gibt.

Ne­ben die­sem Buch wa­ren es – wie­der­um – Schüßlbur­ner und der Ju­rist Thor v. Wald­stein, die ein­zel­ne Aspek­te des VS-Kom­ple­xes un­ter­such­ten. Bei­de Stu­di­en sind für ei­nen sym­bo­li­schen Preis lie­fer­bar (Schüßlbur­ner: »Ver­fas­sungs­schutz«; v. Wald­stein: »Wer schützt die Ver­fas­sung vor Karls­ru­he?«) und müs­sen als grund­le­gen­de Stand­ort­be­stim­mun­gen für Kom­men­des her­an­ge­zo­gen wer­den – und zwar la­ger­über­grei­fend, weil dies bei wei­te­rer dok­tri­nä­ren An­ti­fa­schi­sie­rung der Ge­sell­schaft alle non­kon­for­men Kräf­te be­tref­fen kann und wird.

Schüßlbur­ner ana­ly­siert bei­spiels­wei­se, wie der VS das Mit­tel der »Zer­set­zung« an­wen­den kann. Die staat­lich or­ga­ni­sier­te self-ful­fil­ling pro­phe­cy der ver­meint­li­chen »Ra­di­ka­li­sie­rung« der Rech­ten kann heu­te pro­blem­los nach­ge­zeich­net wer­den. Man ver­schiebt das Fen­ster des Sag­ba­ren kon­ti­nu­ier­lich nach links, um dann ver­meint­lich sor­gen­be­la­den fest­zu­stel­len, daß der rech­te Prot­ago­nist da­mit ei­nen »Rechts­ruck« for­ciert hät­te, des­sen lo­gi­sche Fol­gen eine Ver­dachts­fall-Be­ob­ach­tung oder die ver­schärf­te, also voll­um­fäng­li­che Be­ob­ach­tung sei­en.

In die­sem Sin­ne weist Schüßlbur­ner dar­auf hin, daß es ein­zig und al­lein in der BRD be­reits aus­reicht, ver­bal, wo­mög­lich un­ter Zu­hil­fe­nah­men von »kräf­ti­ge­ren Aus­drücken«, ins Vi­sier des In­land­ge­heim­dien­stes zu ge­ra­ten, der ent­spre­chen­de Vor­gän­ge mit­tels V‑Leuten und an­de­ren be­auf­trag­ten Ak­teu­ren pro­blem­los je­der­zeit selbst in Gang set­zen kann. Wird eine Par­tei dem Estab­lish­ment zu ge­fähr­lich, wird der Kon­kur­renz­schutz in Gang ge­setzt, das heißt Ein­satz nach­rich­ten­dienst­li­cher Mit­tel, dann Steue­rung ein­zel­ner Ak­teu­re ei­ner Op­po­si­ti­ons­par­tei, ver­meint­li­che oder tat­säch­li­che Ra­di­ka­li­sie­rung, ge­folgt von ent­spre­chen­der kri­mi­na­li­sie­ren­der Be­richt­erstat­tung der ge­brief­ten Me­di­en oder, bei po­li­ti­scher Re­le­vanz des Ak­teurs, gar künf­ti­ge Ver­bots­ver­fah­ren.

Dies al­les ist emi­nent ver­fas­sungs­wid­rig, so wie der Ver­fas­sungs­schutz es in sei­ner der­zei­ti­gen Ver­faßt­heit oh­ne­hin ist. Schüßlbur­ner ver­weist auf Art. 3 (3) GG, wo­nach ein ab­so­lu­tes Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot der »po­li­ti­schen An­schau­ung« gebe, fer­ner ver­let­ze der VS die All­ge­mein­heit des die Mei­nungs­frei­heit recht­mä­ßig ein­schrän­ken­den Ge­set­zes im Sin­ne von Ar­ti­kel 5 (2) GG. Da­mit aber sei der VS ge­gen das Rechts­staats­prin­zip ge­rich­tet, wel­ches eine welt­an­schau­lich neu­tra­le Staats­ver­wal­tung ga­ran­tiert.

Wird der VS aber wie heu­te ver­wen­det – als In­stru­ment der Herr­schen­den ge­gen un­er­wünsch­tes Ge­dan­ken­gut –, ist er selbst de­mo­kra­tie­theo­re­tisch frag­wür­dig. Art. 3 und 5 GG sind so zu ver­ste­hen, wie sie ge­schrie­ben ste­hen, wor­auf Jo­sef Schüßlbur­ner für das IfS hin­weist:

Man darf eine po­li­tisch rech­te Auf­fas­sung ha­ben und sie in al­ler Frei­heit auch ver­brei­ten, um An­hän­ger und (bei Par­tei­en) Wäh­ler zu ge­win­nen, na­tür­lich mit dem Ziel, Wah­len zu ge­win­nen, um dann par­la­men­ta­risch die Re­gie­rung stel­len zu kön­nen.

Mit Schüßlbur­ner kann aber auch dar­auf hin­ge­wie­sen wer­den, daß die Not­wen­dig­keit, eine Po­li­tik zu be­trei­ben, die dem Er­halt des Sou­ve­räns des Grund­ge­set­zes, des deut­schen Vol­kes also, staat­li­cher­seits – durch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in Karls­ru­he ze­men­tiert – ohne gro­ße Wi­der­sprü­che als »ex­tre­mi­stisch« ge­brand­markt wer­den kann.

Hier knüpft naht­los eine zwei­te IfS-Stu­die an, die von Thor v. Wald­stein er­ar­bei­tet wur­de. Er zeigt, daß das, was bis vor we­ni­gen Jah­ren eine Selbst­ver­ständ­lich­keit war – die Vor­stel­lung, Deut­sche in Deutsch­land sind das kon­sti­tu­ie­ren­de Staats­volk – zu­neh­mend als Be­leg für »Ex­tre­mis­mus« her­an­ge­zo­gen wird. Karls­ru­he hat im zwei­ten NPD-Ver­bots­ver­fah­ren klar­ge­macht, daß es die eth­no­kul­tu­rel­le Exi­stenz ei­nes Vol­kes als ver­fas­sungs­wid­ri­ges Kon­strukt be­greift.

Da­mit, so v. Wald­stein, pas­se sich das po­li­tisch be­setz­te Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt auf ju­ri­sti­scher Ebe­ne der herr­schen­den Po­li­tik an, de­ren we­sent­li­ches Kenn­zei­chen es ist, die Rech­te des los­ge­lö­sten In­di­vi­du­ums ge­gen die Rech­te der Ge­mein­schaft in Stel­lung zu brin­gen, was am Ende zu ei­ner Auf­lö­sung al­ler Struk­tu­ren und In­sti­tu­tio­nen füh­re, in de­nen der Mensch Halt fin­den konn­te (Ehe, Fa­mi­lie, Stamm, Volk usw.).

Die­se Recht­spre­chung sei we­der mit Ent­ste­hungs­ge­schich­te, Geist und Buch­sta­be des Grund­ge­set­zes noch mit der bis­he­ri­gen Ju­di­ka­tur des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts, noch mit ei­ner über Jahr­zehn­te hin­weg gel­ten­den Ge­set­zes­la­ge in der BRD in Über­ein­stim­mung zu brin­gen.

Die Stu­die kann hier be­stellt wer­den, wäh­rend ein ent­spre­chen­der Vor­trag v. Wald­steins im ka­nal schnell­ro­da ab­zu­ru­fen ist:

Ne­ben dem Al­ter­na­ti­ven VS-Be­richt und den zwei Stu­di­en hat das IfS bei sei­nem Staats­po­li­ti­schen Kon­greß im ver­gan­ge­nen Jahr zu­dem mit Ro­land Hart­wig den AfD-Fach­mann für VS-re­le­van­te Fra­gen ein­ge­la­den.

Hart­wig re­fe­rier­te am 1. Juni 2019 über die an v. Wald­stein an­ge­lehn­te Fra­ge »Wer schützt uns vor dem Ver­fas­sungs­schutz?«. Auch die­ses Vi­deo und die­se Ver­an­stal­tung zei­gen, daß das IfS den VS als In­stru­ment der Herr­schen­den ernst nimmt, ohne die ei­ge­ne Ar­beit und die ei­ge­nen Ge­dan­ken aus­schließ­lich ent­lang der dro­hen­den Be­ob­ach­tung aus­zu­rich­ten.

Das IfS wird nun recht­li­che Schrit­te prü­fen, eine Kla­ge vor­be­rei­ten – aber da­bei nie ver­ges­sen, daß auch die­se zu be­schrei­ten­den Wege vom geg­ne­ri­schen Kom­plex fest ein­ge­plant sind: als Be­schäf­ti­gungs­the­ra­pie, als zu rei­ßen­des Fi­nanz­loch, als per­ma­nen­tes und läh­men­des Ab­len­kungs­ge­fecht.

Wer so­li­da­risch sein und uns auf die­sem schwie­ri­gen Weg be­glei­ten möch­te, ist herz­lich ein­ge­la­den, sei­nen Bei­trag zu lei­sten – je­der Cent hilft uns, die kon­struk­ti­ve Ar­beit ei­ner al­ter­na­ti­ven Denk­fa­brik in Theo­rie und Pra­xis fort­zu­set­zen.

Zur Be­ob­ach­tung des IfS an sich hat In­sti­tuts­lei­ter Leh­nert bei den Kol­le­gen der Ta­ges­stim­me ab­schlie­ßend den Na­gel auf den Punkt ge­trof­fen:

Das Prä­di­kat „Ver­dachts­fall” wird in letz­ter Zeit der­art in­fla­tio­när vom Bun­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz ver­teilt, dass die­ses „Ge­burts­tags­ge­schenk” kei­ne rich­ti­ge Über­ra­schung für uns ist. Es ist aber in­ter­es­sant, dass das BfV und aus­ge­rech­net jetzt da­mit be­denkt, weil sich an der Aus­rich­tung un­se­rer Ar­beit in den letz­ten 20 Jah­ren nicht be­son­ders viel ge­än­dert hat. Auf Sei­ten des Ver­fas­sungs­schut­zes ist es da­ge­gen zu ei­ner In­stru­men­ta­li­sie­rung des Ex­tre­mis­mus­be­grif­fes ge­kom­men, um mit sei­ner Hil­fe un­lieb­sa­me Mei­nun­gen zu stig­ma­ti­sie­ren.

Mit Tho­mas Hal­den­wang steht dem BfV ein Prä­si­dent vor, der sei­nen Auf­trag po­li­tisch in­ter­pre­tiert. Al­les, was die lin­ke Dis­kur­s­ho­heit ge­fähr­det, soll ent­spre­chend mar­kiert, iso­liert und schließ­lich ver­nich­tet wer­den. Aber das Schwert „Ver­fas­sungs­schutz” wird im­mer stump­fer, weil sich mitt­ler­wei­le her­um­ge­spro­chen hat, dass es nicht zur Ver­tei­di­gung des Grund­ge­set­zes ge­führt wird, son­dern um po­li­ti­sche Kon­kur­renz aus­zu­schal­ten. Das Spiel ist je­des­mal das­sel­be, ob es nun die AfD, die IB oder das IfS trifft.